Wir haben Kruger wegen der Kinder auf Addo umgebucht
Die Kinderärztin war unmissverständlich
Die Reise hatten wir achtzehn Monate im Voraus geplant. Kruger, das klassische Programm, vier Nächte in einem Camp im Südabschnitt. Unsere Kinder waren zum Zeitpunkt der geplanten Reise vier und sieben Jahre alt. Als wir unserer Kinderärztin beim Routinecheck des Vierjährigen den Reiseplan erwähnten, drückte sie sich klar aus: Kruger ist ein Malaria-Risikogebiet, die Prophylaxe für Kinder unter sechs Jahren erfordert spezifische Alternativen zu Doxycyclin (Atovaquon-Proguanil, das für Kinder zugelassen ist, aber eine genaue gewichtsbasierte Dosierung verlangt) — und ob wir das einem Vierjährigen über zwei Wochen zumuten wollten, inklusive dem Start der Prophylaxe und dem zweiwöchigen Kurs nach der Rückkehr.
Wir wollten das eigentlich nicht. Wir haben umgebucht.
Der Addo Elephant National Park liegt in der Eastern Cape, nahe Port Elizabeth (Gqeberha). Er ist malariafrei. Er ist der drittgrößte Nationalpark Südafrikas und beherbergt eine der höchsten Elefantendichten auf dem Kontinent — rund 600 Elefanten im Hauptwildgebietsbereich. Zusätzlich besitzt er den einzigartigen Status, einer der wenigen Orte weltweit zu sein, an denen die sogenannten “Big Seven” beobachtet werden können: Elefant, Löwe, Leopard, Büffel, Nashorn sowie südliches Glattwalkind und Weißer Hai im angrenzenden Meeresabschnitt.
Die Fahrt von Port Elizabeth
Wir flogen nach Port Elizabeth und fuhren von dort zum Park. Der Flughafen liegt 75 Kilometer vom Haupteingangstor entfernt — ausschließlich auf gut asphaltierten Straßen. Das war bereits das erste positive Signal: ein Transfer, der sich mit zwei Kindern und einem bepackten Mietwagen in einer Stunde bewältigen lässt, ohne die fünfstündige Fahrt von Johannesburg nach Kruger, die jede Kruger-Reise einleitet.
Wir buchten drei Nächte im Addo Rest Camp, das von SANParks geführt wird und in der Qualität variiert. Unser Chalet war einfach, aber sauber — mit einer kleinen Veranda mit Blick ins Buschland und einem funktionierenden Deckenventilatoren. Das Hauptcamp hat ein Restaurant (ordentlich, nicht besonders), einen Laden mit Grundnahrungsmitteln und einen Swimming Pool. Der Pool war für den Vierjährigen das Highlight von Tag zwei und drei.
Die Elefanten: besser als erwartet
Wir hatten mit guten Elefantensichtungen gerechnet. Was uns wirklich erwartete, hatten wir nicht vorausgesehen: Am zweiten Morgen bewegten sich etwa vierzig Elefanten durch das Wasserloch unmittelbar am Campzaun — darunter sieben Kälber im Alter von etwa sechs Monaten bis zwei Jahren. Die Kleinen rempelten sich gegenseitig an, rutschten im Schlamm am Wasserlocharand aus und fielen in der typischen Art von Wesen, die ihre eigenen Körper noch nicht vollständig beherrschen. Beide Kinder schwiegen fünfundvierzig Minuten lang und schauten zu. Das ist die längste gemeinsame Stille, die wir von beiden je erlebt haben.
Die Selbstfahrerrouten im Hauptbereich des Addo sind asphaltiert, gut gepflegt und so schmal, dass man das Gefühl hat, wirklich nah am Wild zu sein. Das begrenzte Fahrzeugaufkommen bedeutet, dass an einem Schulwochentag im April auf den meisten Schleifen nur vier oder fünf Autos unterwegs waren — weniger als an jedem vergleichbaren Wochenende in Kruger.
Was Addo bietet, von dem wir nichts wussten
Wir wussten von den Elefanten. Dass es einen umfangreichen Meeresabschnitt gibt, wussten wir hingegen nicht: Das Addo Marine Reserve umfasst 120.000 Quadratkilometer Indischen Ozean und ist vom Woody Cape-Küstenabschnitt aus zugänglich. Südliche Glattwale werden zwischen Juni und November von der Küstenwanderung aus gesichtet. Brutkolonien afrikanischer Pinguine gibt es auf Bird Island im Naturschutzgebiet.
Ebenfalls nicht in den gängigen Reiserouten zu finden ist der Nyati-Abschnitt des Addo — ein separater umzäunter Bereich mit Löwen und Büffeln, für den ein eigener Eingang erforderlich ist. Für die geführten Nyati-Pirschfahrten mit einem Rangerfahrzeug ist eine Voranmeldung nötig. Wir hatten nicht vorgebucht und konnten diesen Abschnitt diesmal nicht besuchen. Das ist der eine Punkt, den wir beim nächsten Mal anders machen würden.
Der ehrliche Vergleich mit Kruger
Addo bietet nicht Krugers Landschaftsvielfalt, nicht seine Baobab-und-Mopane-Wälder, nicht seine Leopardensichtungsquoten, nicht seine Weitläufigkeit und nicht seinen Status als führendes Safari-Ziel Südafrikas. Es ist ein anderes Angebot: kleiner, familienfreundlicher, malariafrei, mit außergewöhnlicher Elefantendichte — und mit einer Meereserweiterung, die Kruger nicht hat.
Für eine erste Südafrika-Reise mit Kindern unter zehn Jahren ist Addo kombiniert mit der Garden Route im Westen eine sinnvollere Route als Kruger. Für eine Rückkehrreise mit älteren Kindern oder für Erwachsene ohne Malaria-Einschränkung ist Kruger das umfassendere Wildtiererlebnis.
Ein zweitägiger Addo Elephant Park Safari ab Port Elizabeth beinhaltet Pirschfahrten und Unterkunft und ist eine praktische Möglichkeit, den Park ohne eigene Fahrnavigation zu erkunden.